Der Architekt aus Santiago erhält die höchste Auszeichnung der Architekturwelt für ein Werk, das Zerbrechlichkeit zur Stärke macht.

Am 12. März 2026 hat die Hyatt Foundation den Pritzker-Preis 2026 an den chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke vergeben. Er ist der 55. Preisträger in der Geschichte der Auszeichnung und nach Alejandro Aravena (2016) erst der zweite Chilene, dem diese Würdigung zuteilwird.

Radić lehnt eine wiederholbare Architektursprache grundsätzlich ab. Für ihn ist jedes Projekt eine individuelle Untersuchung. Die Jurybegründung fasst seinen Ansatz präzise zusammen: Seine Bauten wirken vorübergehend, instabil oder bewusst unfertig – fast am Rand des Verschwindens –, bieten jedoch eine strukturierte, optimistische und leise fröhliche Behausung, die Verletzlichkeit als wesentliche Bedingung des gelebten Lebens begreift. Zu seinen bedeutendsten Werken zählt das „House for the Poem of the Right Angle“ (Vilches, 2013): ein in den Wald eingebettetes, schwarzes Betonhaus, dessen nach oben orientierte Öffnungen Licht und Zeit einfangen und Stille einladen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Radić mit dem Serpentine Gallery Pavilion (London, 2014), einer transluzenten Fiberglas-Schale, die auf vor Ort beschafften Tragsteinen ruht. Das Teatro Regional del Bío-Bío (Concepción, 2018) zeigt seinen Umgang mit größeren Maßstäben: Eine halbtransparente Membran moduliert das Licht und verbessert die Akustik, indem sie sich zurückhält, statt zu spektakulieren. Sein jüngstes Hauptwerk, das Pequeño Edificio Burgués (Santiago, 2023), ein Wohnhaus und Atelier in einem, verhandelt das Verhältnis von Privatheit und städtischem Raum: Vorhänge verbergen das Innere nach außen, während Glaswände Regen, Klang und Licht hereinlassen.

Die Jury, geleitet vom Juryvorsitzenden Alejandro Aravena, würdigte Radić dafür, dass er daran erinnere, dass Architektur eine Kunst sei: eine Kunst, die Unvollkommenheit und Zerbrechlichkeit zulasse und stille Schutzräume schaffe – ohne lauter oder spektakulärer sein zu müssen, um Gewicht zu haben. Radić selbst sieht Architektur als positiven Akt: „Wir streben danach, Erfahrungen zu schaffen, die emotionale Präsenz tragen und Menschen dazu bringen, innezuhalten und eine Welt neu wahrzunehmen, die so oft gleichgültig an ihnen vorbeizieht.“

 

Quelle
https://www.dabonline.de/meldungen/pritzker-preis-2026-geht-an-den-chilenen-smiljan-radic-clarke

Titelfoto
Serpentine Gallery Pavilion, 2014, London, Großbritannien
Eine halbtransparente Fiberglas-Schale ruht auf gewaltigen Steinblöcken und scheint dennoch zu schweben. Das Licht fällt gedämpft herein und der Raum bleibt nach außen hin offen. Masse und Leichtigkeit sind hier in bewusstem Gleichgewicht. © courtesy of Iwan Baan

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